93 Generationenvon der Gegenwart bis zu den alten Griechen

Baumgartner Theresia

Geb. Dat. (grün = geschätzt)
1807
Staat/Bundesld. heute
CZ/B
Nummer in Ahnenliste
B 35

356

Baumgartner Theresia, * 17. 8. 1807 Friedberg No. 8. Geschwister: Andreas (1793-1865) und Johann (1796-1874). Die Enkelin des Johann, Baronin Alice von Baumgartner, war mir mit genealogischem Material sehr behilflich, das sich auf den kinderlos verstorbenen ältesten Bruder Andreas bezieht. Andreas Freiherr von Baumgartner war eine der bedeutendsten österreichischen Persönlichkeiten des 19. Jhdts., so dass ich hier eine Ausnahme von der Regel mache, nach der ich sonst nur über direkte Vorfahren berichte. Es ist auch reizvoll, seinen Glanz dem Elend des nahe verschwägerten Karl Otto, AL. 32, gegenüberzustellen.

Am 21. 11. 1793 in Friedberg als Sohn des erst aus der Leibeigenschaft entlassenen „Bäck-Florl“, AL. 7/70, geboren, soll er zunächst Schneider, dann Lehrer werden, doch erkennt der ihn unterrichtende Organist von Friedberg seine naturwissenschaftliche Begabung und er bezieht 1804 die Lateinschule in Linz. 1805 wird die Schule wegen der Besetzung Österreichs durch die Franzosen kurzfristig nach Budweis ausquartiert. 1810 kommt er mittellos nach Wien zum Studium an der Universität und nächtigt anfangs in Zelten, die von böhmischen Tuchhändlern am Graben aufgestellt wurden. Erst allmählich kann er durch Stundengeben in den Häusern des Adels genug Geld verdienen, um sich ein bescheidenes Zimmer leisten zu können. Mit 21 Jahren erwirbt er 1814 das Doktorat der Philosophie, ist 1815 Assistent für Philosophie, 1816 für Mathematik und Physik, 1817 Professor für Physik am Lyceum in Olmütz. Dort schreibt er 1820 sein erstes Aufsehen erregendes Werk „Die Aerometrie“. 1823 als Professor für Physik an die Universität Wien berufen, gibt er hier seine „Naturlehre“ heraus, die durch lange Jahre das Handbuch für Physik an fast allen deutschen Universitäten bleibt. Als erster Professor der Alma Mater Rudolfina hält er seine Vorlesungen nicht in lateinischer sondern in deutscher Sprache. 1826-37 ist er Herausgeber der „Zeitschrift für Physik und verwandte Wissenschaften“. 1833 ist er Direktor der k. k. Wiener Porzellanfabriken (Augarten), 1842 Chef von sämtlichen sieben Tabakfabriken der Monarchie. Wahrscheinlich hängt damit zusammen, dass der Gatte seiner Nichte Franziska (AL. 5/17) Rudolf Otto (AL. 5/16) Direktor der Hainburger Tabakfabrik wurde. Hierauf wird er mit der Reorganisation der Linzer Wollzeugfabrik (1726 von J. M. Prunner, AL. 10/552 erbaut) betraut. 1845 fungiert er als Präsident der Gewerbeausstellungs - Hofcommission, deren Mitglieder ihm sein von Amerling gemaltes lebensgroßes Portrait verehren. 1846 leitet er die Errichtung des elektrischen Telegrafen im ganzen Kaiserthum Österreich und wird dafür in den Adelsstand erhoben. 1847 ist er Gründungsmitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und 1851 bis zu seinem Tod 1865 deren Präsident. 1847 wird er zudem auch Hofrat und Leiter des soeben sich entwickelnden Eisenbahnwesens. Nach der März-Revolution 1848 übernimmt er das Ministerium für öffentliche Arbeiten und lässt die erste Gebirgsbahn der Welt über den Semmering bauen. 1851-55 leitet er gleichzeitig das Handels- und das Finanzministerium und vereinheitlicht in der ganzen Doppelmonarchie die Maße und Gewichte, freilich auch die Steuern, Mauten und Abgaben. Er hat wesentlichen Anteil an der Abschaffung der lästigen Kontrollen von Handel und Industrie durch das Prohibitivsystem und vereinfacht und beschleunigt die Amtshandlungen der Zollorgane. Seine wichtigste und 150 Jahre wirksame fis- kalische Reform ist die Einführung der Stempelmarke an Stelle des gestempelten Papiers. In seinem Entschluss, aus Gesundheitsrücksichten zu demissionieren, mag er dadurch bestärkt worden sein, dass er im Reichsrat mit seinen Plänen für eine Reform der Gewerbesteuer nicht durchdrang, was erst seinem Nachfolger in den Neunzigerjahren des 20. Jhdts. gelang. 1854 wird er in den Freiherrnstand erhoben, seit 1861 ist er lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. 1861 ist er auch Taufpate seines Großneffen Rudolf Otto, AL. 4/8, meines Großvaters.

Er war Mitglied vieler ausländischer Akademien und Träger höchster österreichischer, päpstlicher, toskanischer, parmesanischer, belgischer, preußischer und sächsischer Orden. Sein Leben lang war er mit Adalbert Stifter gut befreundet, der ihn zum Vorbild für die Hauptfigur seines Romans „Nachsommer“ für den Freiherrn von Risach nahm, und damit Andreas Freiherrn von Baumgartner ein unvergängliches literarisches Denkmal setzte. Am 30. 7. 1865 stirbt er in seinem Wohnhaus in Wien-Hietzing, in der Hetzendorferstraße (heute Maxingstraße) 47. Sein Vater war noch Leibeigener, er selbst Freiherr und höchster Würdenträger des Staates: Österreich, ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten! 1961 ließ die österreichische Akademie der Wissenschaften von Robert Ullmann das auf der vorigen Seite abgebildete Marmordenkmal nach der Vorlage einer kleinen Augarten-Büste schaffen und in der Aula aufstellen. 7) 20) 156) 181)

Theresias Bruder Andreas Freiherr von Baumgartner (1793-1865)
Theresias Bruder Andreas Freiherr von Baumgartner (1793-1865)

Familie

Vater
Baumgartner Florian 1758
Mutter
Hagelmüller Marianne 1767
Tochter
Sellner Franziska 1832